Der Einarbeitslehrgang zum Gespann

Der Einarbeitslehrgang dauert im Allgemeinen vier Wochen. Der erste Abschnitt findet am Ort der Schule statt. Der Hund soll sich in seiner gewohnten Umgebung an seinen neuen Besitzer gewöhnen und auf den vertrauten Wegen die ersten gemeinsamen Schritte im Führgeschirr unternehmen. Der Blindenführhundhalter kann sich so, fernab vom heimischen Alltagsstreß, voll auf seinen zukünftigen Begleiter einlassen und Vertrauen zu ihm fassen.

Ist der Grundstein für die Zusammenarbeit gelegt, wird das Training am Wohnort des Blindenführhundhalters weiter ausgebaut. Dazu kommt, daß der Hund sich nun in seiner neuen Umgebung, seiner neuen Familie und den neuen Tagesablauf einleben muß.

Viele Wege führen zum Ziel

Es gibt unterschiedliche Konzepte zur Gestaltung eines Einarbeitslehrgangs und alle haben Vor- und Nachteile. Ich bin der Meinung, daß der Sinn des Einarbeitslehrgangs nicht darin besteht, die am häufigsten genutzten Wege auswendig zu lernen. Stattdessen versuche ich, meine Lehrgänge so aufzubauen, daß der Halter mit dem richtigen Einsatz des Hundes und der Hörzeichen ausreichend vertraut wird. Er soll in der Lage sein, sich auch neue Ziele selbständig zu erarbeiten. Üblicher Weise wird dieses auf den bevorzugten Strecken des Blindenführhundhalters trainiert, so daß der Hund bei der Gelegenheit diese Orte kennenlernt.

Weiterhin sollen Fähigkeiten und Grenzen des Führhundes gezeigt werden, vermittelt werden, wie man sich als Mensch dem Hund mitteilt (und umgekehrt), und wie man sich durchsetzt. Denn auch ein Blindenführhund bleibt ein Hund, und trotz aller Ausbildung muß der Mensch, um die zuverlässige Mitarbeit des Hundes zu erreichen, einige Punkte beachten. Diese Regeln zu erlernen ist fast die schwierigste Aufgabe des Einarbeitslehrgangs, denn es gibt doch einige Unterschiede im Vergleich zur Zusammenarbeit mit Menschen!

Wichtigstes Rüstzeug für einen schnellen Erfolg ist Interesse und Lernbereitschaft des Führhundhalters, Mobilität, sicheres Auftreten, Konsequenz und Ausdauer. Es wird durchschnittlich zweimal täglich trainiert, aber eigentlich ist es von nun an eine Übung rund um die Uhr! Zum Training gehören neben der Führarbeit auch Gehorsamstraining und der Freilauf des Hundes. Ein Einarbeitslehrgang ist kein Erholungsurlaub, eher ein Erlebnisurlaub bei dem es sehr viel zu lernen und zu tun gibt!

Der Einarbeitslehrgang ist für Hund und Halter aber auch eine belastende Zeit: Innerhalb weniger Trainingstage muß das Gespann nicht nur zueinander gefunden haben, sondern auch am Ende in der Lage sein, selbständig zuverlässige Leistungen in allen Verkehrssituationen zu zeigen. Dieses angestrebte Ziel wird im Rahmen einer Gespannprüfung durch Prüfer im Auftrag des Kostenträgers kontrolliert.

Um diesen „Erfolgsdruck” zu mildern und dem Gespann mehr Übungsmöglichkeiten zu lassen, hat es sich bewährt, den Lehrgang am Wohnort zeitlich zu entzerren, soweit dieses möglich ist. Weiterhin empfehle ich eine Prüfung etwa 6 – 8 Wochen nach der Aushändigung des Hundes an den neuen Halter, statt am Ende des Einarbeitslehrgangs.

Das alles ist jedoch nur durch konzentrierte und konsequente Mitarbeit des Führhundhalters und kontinuierliche Weiterentwicklung des Gespannes möglich. Wer der Meinung ist, „Das wird schon noch!”, irrt sich. Am Ende des Lehrganges müssen alle Grundlagen (das richtige Verhältnis zwischen Hund und Halter; die Grundversorgung des Hundes, inklusive Freilauf; die Gehorsamsübungen und die Führarbeit) vorhanden sein. In der darauffolgenden Zeit entwickelt sich Routine und Sicherheit (und damit eine weitere positive Veränderung). Fehler, die das Gespann am Ende des Lehrganges noch macht, haben eine Ursache. Wenn diese nicht gefunden und behoben wird, bleibt der Fehler bestehen oder prägt sich weiter aus.