Voraussetzungen an Führhundhalter

Blinde und stark sehbehinderte Hundehalter, die einen Blindenführhund als Hilfsmittel erhalten haben, nennt man „Führhundhalter”.

Damit die Krankenkasse die Kosten für einen Blindenführhund übernimmt, benötigt der Versicherte / der Führhundinteressent zur Beantragung eine ärztliche Verordnung über den Führhund (ein Rezept) und den Kostenvoranschlag der Blindenführhundschule seines Vertrauens. Beides reicht er bei seinem Leistungsträger ein.

Orientierung und Mobilität mit dem Langstock

Häufig erfolgt dann eine Überprüfung des Interessenten durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, oder ein Hinweis, daß ein „Orientierungs- und Mobilitätstraining” (kurz: „O&M-Training”) absolviert werden muß. Das ist auch eine sinnvolle Sache, denn bei einem Führhundgespann arbeiten Hund und Halter zusammen, wie ein „Steuermann” mit einem Navigationsgerät. Beim Führhundgespann übernimmt der Mensch die Rolle des Navigationsgerätes, in dem er dem Hund in der Rolle des Steuermannes die nächsten Anweisungen mitteilt: „Gerade voran”, „rechts weiter”, „Such Ampel”. Der Hund läuft dann in die gewünschte Richtung. Doch Vorsicht! Hunde sind in dem Punkt, wie manche Autofahrer, und weichen absichtlich oder aus Versehen auch mal vom Kurs ab. Ein Navigationsgerät bemerkt das und reklamiert an dieser Stelle: „Wenn möglich: Bitte wenden!” oder es berechnet einen neuen Kurs. Genauso wichtig ist es, daß auch der Führhundhalter zu jeder Zeit weiß, wo in etwa sich das Gespann gerade befindet. Nur so kann er den Hund kontrollieren und die nächsten Anweisungen zum Streckenverlauf mitteilen.

Der Freilauf in geeigneter Umgebung

Das übliche O&M-Training findet im Straßenverkehr statt. Ein Blindenführhundhalter muß seinem Hund aber zur artgerechten Haltung den täglichen Spaziergang mit Freilauf in einem geeigneten Gelände ermöglichen. Beim Freilauf hat der Hund Dienst-frei und ist ohne Führgeschirr und Leine unterwegs, um seinen hundlichen Interessen nachzugehen. Der Führhundhalter bewegt sich dabei mit dem Langstock und kontrolliert seinen Hund akustisch über das Klingeln eines Glöckchens am Halsband. In den typischen Hundeauslaufgebieten fehlt es vielen Führhundhaltern an den üblichen Orientierungspunkten und damit auch an der notwendigen Sicherheit, um sich an so einem Ort wohlzufühlen. Dabei sollte ein Spaziergang doch zur Entspannung beitragen. Eine dringende Empfehlung an den zukünftigen Führhundhalter lautet daher, vor Beginn des Einarbeitslehrgangs ein geeignetes Hundeauslaufgebiet zu finden, welches idealer Weise fußläufig erreichbar ist. Während der Wartezeit auf den Hund sollte der Führhundhalter die Orientierung in dem Auslaufgebiet zu verschiedenen Tageszeiten und an verschiedenen Wochentagen üben. Wenn der Einarbeitslehrgang läuft und der Hund übergeben wird, ist es zu spät, um mit diesen Übungen anzufangen! Dann sollte der Führhundhalter die Örtlichkeiten bereits kennen, denn mit der akustischen Überwachung des Hundes und der Interpretation seines Verhaltens und der Umweltsituation kommen schon genügend viele neue Situationen auf den frisch gebackenen Hundehalter zu.

Ein geeignetes Gelände zum Freilauf sind Feldwege und Waldwege, zum Teil auch öffentliche Grünanlagen. Allerdings kann man als Hundehalter in den Grünanlagen auch schon wieder Schwierigkeiten mit anderen Personen bekommen, die Angst vor Hunden haben oder deren Hinterlassenschaften nicht mögen. Manchmal kommt es deshalb sogar vor, daß so genannte „Hundehasser” in den beliebten Hundeauslaufgebieten Giftköder auslegen. In einigen Städten gibt es speziell ausgewiesene „Hundewiesen”. Die sind aber auch keine ideale Lösung, denn die wenigsten Hundewiesen haben auch einen gut ausgebauten Weg zum Laufen. Also bleiben die Hundehalter irgendwo am Rand stehen, und überlassen die Hunde sich selbst. Einige Hunde bleiben dann bei ihren Besitzern liegen und bewegen sich kaum, andere Hunde werden gemobbt oder geraten sogar in eine Rauferei. Darüber hinaus sind solche stark frequentierten Orte auch der beste Platz, um sich Parasiten oder ansteckende Krankheiten einzufangen.

Zeitaufwand

Insgesamt kann man als zusätzlichen Zeitaufwand für die Grundversorgung des Hundes (also ohne die „Dienststrecken im Führgeschirr” etwa zweieinhalb Stunden pro Tag einplanen. Den Löwenanteil nehmen dabei sicher die mehrfachen Spaziergänge des Tages ein, denn der Hund braucht ja nicht nur einen Freizeitausgleich, sondern auch die Möglichkeit, seine kleinen und großen Geschäfte zu erledigen. Da Hunde nicht aufs Klo gehen, wie Katzen, und für einige Hunde auch der eigene Garten so etwas wie ein Wohnzimmer ist, welches nicht verunreinigt wird, bleibt der Gang ins Grüne keinem Hundehalter erspart. Abgesehen davon tut es weder dem Garten, noch dem Gärtner gut, wenn der Hund dort seine Freizeit auslebt. Neben Kot und Urin gibt es dann Buddel-Löcher auf dem gepflegten Rasen und kleingebissene Stöckchen, die wiederum furchtbare Geräusche beim Rasenmäher auslösen, sowie Lärm am Gartenzaun. Und zu guter Letzt soll auch nicht verschwiegen werden, daß der eigene Garten für einen Hund so interessant ist, als würde sein Besitzer jeden Tag dieselbe Zeitung eines einzigen Datums lesen: Da passiert nichts Neues! Hingegen draußen in der weiten Welt gibt es viele tolle Gerüche zu erschnuppern und Spielkameraden, mit denen man herumbalgen kann.

Weitere Verpflichtungen, die auf den Führhundhalter zukommen sind das tägliche Füttern des Hundes, wozu auch gehört, daß das Futter rechtzeitig beschafft werden muß und die Näpfe täglich gespült werden. Hin und wieder steht ein planmäßiger oder überraschender Tierarztbesuch auf dem Tagesprogramm und dann gibt es ja noch die Hundehaare. Die wollen direkt vom Hund abgebürstet werden, aber egal wie gründlich man dabei ist: es werden sich immer auch Haare in der Wohnung und an der Kleidung anhäufen. Bei schlechtem Wetter auch gern mit zusätzlichem Dreck, Feuchtigkeit und Geruch ergänzt. Ach ja: nicht zu verschweigen sind dann auch noch die Nasenabdrücke auf Fensterscheiben (an der Terrassentür, im Familienauto und auch überall bei den Freunden, die man mit seinem Hund besucht)

Für einen Führhundhalter, der in Vollzeit einem Beruf nachgeht und womöglich noch alleine einen eigenen Haushalt führt ist der zusätzliche Zeitbedarf ein Punkt, der nicht zu unterschätzen ist. Ich kenne Führhundhalter, die ihre Wochenarbeitszeit reduziert haben, um dem Hund und sich selbst gerecht zu werden. Damit sind dann aber auch wieder finanzielle Einbußen verbunden.

Fitneß

Das Laufen mit dem Hund verlangt aber auch eine gewisse Fitneß vom Führhundhalter. Bei der Übergabe ist der Hund etwa zwei Jahre alt, steht also in Saft und Kraft. Selbst ein Hund mit einem eher gemütlichen Wesen ist in dem Alter keine Schnarchnase. Das Laufen mit dem Führhund wird im Vergleich zum Laufen mit dem Langstock häufig in einem deutlich schnelleren Tempo absolviert. Was in den ersten Trainingstagen ungewohnt oder sogar beängstigend erscheint, wird dann nach der Umstellung auf den neuen Laufstil von den meisten Führhundhaltern sehr geschätzt.

Insbesondere im Einarbeitslehrgang fallen neben dem täglichen Freilauf des Hundes die Wegstrecken im Führgeschirr an. Das ist der Grund, warum eine Krankenkasse einen Blindenführhund bezahlt: im Straßenverkehr soll die bestimmungsgemäße Leistung des Gespannes gezeigt werden, und das auch noch nach einem engen Zeitrahmen. Das Training ist oft umfangreicher, als die Führarbeit später im gemeinsamen Alltag sein wird.