Über das „Folge leisten”

Menschen schimpfen manchmal über ihre Hunde, wenn sie sich nicht so verhalten, wie man sich das vorgestellt hat. Hunde können sich so schlecht über ihre Menschen beschweren. Beide Seiten haben es dann und wann schwer miteinander.

Bei der Führarbeit wird ein perfektes Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund erwartet – ungewohnter Weise mit vertauschten Rollen.

Als schöne Parallele wagen wir einen Blick über den Tellerrand und lesen, wie Tanzpaare das Problem „Führen und Folgen” beschäftigt.

Diese Seite ergänzt den „Beitrag über das Führen Ein Klick auf diesen Link führt zur Seite „Vom Führen”.”. Für das bessere Verständnis wiederholt sich daher die Einleitung zum Thema.

Das Führen als Voraussetzung zum Folgen

„Eigentlich” funktioniert ein Mensch-Hund-Gespann so ähnlich, wie ein menschliches Tanzpaar:

  1. Beide Partner erkennen ihre bevorstehende Aufgabe in der aktuellen Situation
    („Wissen, welcher Tanz zur aktuellen Musik getanzt wird und wie die Schrittfolge ist”);
  2. Beide Partner freuen sich auf diese Aufgabe und sind deshalb motiviert und konzentriert;
  3. Ein Partner übernimmt die Führung, der andere läßt sich führen.

Das gilt nicht nur beim „dogdance” („Tanzen - harmonisches Zusammen-Bewegen - eines Menschen mit einem Hund zur Musik”), sondern eben auch bei den anderen Aktivitäten von Hund und Halter.

Schade, daß ein Hund sich so schlecht mitteilen kann, warum ihm manchmal etwas schwer fällt. Da trifft es sich gut, daß menschliche Tanzpaare ganz ähnliche Probleme haben, wie Führhundgespanne.

Bei den Tanzpaaren sind die Rollen „wer führt” (der Mann) und „wer folgt” (die Frau) fest vergeben. Ich kann jedoch versichern: Bei den Führhundgespannen spielt das Geschlecht keine Rolle – da schneiden gerade in der Anfängerzeit beide Variationen gleich ab.

Bei den Recherchen zu diesem Thema im Jahr 2005 habe ich in einem Forum für begeisterte Tänzer eine Diskussion zum Thema „Führen und Folgen” gefunden. Leider habe ich es versäumt, mir die ursprünglichen URL-Adresse zu speichern, um nun bequem dorthin zu verlinken. Aber ich habe die Inhalte des Threads gespeichert. Wir werfen also nun einen Blick in eine „Tänzer-Diskussion”, um von den Erfahrungen dort etwas zu lernen:

Hier einige Aussagen, die sich eins zu eins auf Führhundgespanne übertragen lassen. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Begriff „Mann, bzw. Herr” gegen „Führhund” ausgetauscht werden müßte, und das Wort „Frau, bzw. Dame” gegen „Führhundhalter”.

Schöner, als in den nun folgenden Gesprächsfaden in besagtem Tanzforum kann wohl kaum ein Hund, ein Führhundhalter oder ein Hundetrainer die Problematik beschreiben.

Eröffnung des Themas: Führen Lernen (und Folgen lernen)
(Ursprung: Unbekannter Verfasser)

„Unter "Tanzpartnersucherfahrung" hab ich schon so einiges geschrieben, was demotiviert. Aber Trennungen sind ja nur das ultimative Aus - es bahnt sich natürlich schon früher an. Zum Beispiel beim Führen und Folgen, und da erzähl ich einmal dies und das aus meinem eigenen Erfahrungsschatz:

Es ist tatsächlich viel schwieriger für den Herren: Führen soll er. Manche Frauen wollen sich partout nicht führen lassen... sich gegen diese durchzusetzen ist körperlich und auch seelisch anstrengend, und wer so führen muß, lernt vielleicht viel über Menschen, aber nicht gut führen. Schade, denn das wird so nichts.

Bestenfalls lernt er sich durchzusetzen. Anfangs wird er vermutlich recht grob und in großen Bewegungen führen lernen. (Tanzen für Anfänger wird doch meist in großen, deutlich sichtbaren Bewegungen gelehrt / gezeigt). Leider oft aus den Armen heraus, denn welche Anfänger haben schon den Mut (welcher Trainer hat schon den Mut und die Geduld es einzufordern?), in enger Haltung Standard zu tanzen? Zu viel Nähe beim Anfängertanzen verwirrt dazu die Leute, nicht selten steigen Unsicherheit, Stress und diverse weitere Hormone auf schwierig kontrollierbare Höhen, bis man Monate später die Nähe dann endlich als normales Handwerkszeug empfindet - oder aufgegeben hat.

Irgendwie und irgendwann muß man da durch - und wäre ich der Trainer, würde es mir davor gruseln, den richtigen Zeitpunkt dafür meinen Schülern aufzuerlegen. An zu viel Nähe am Anfang scheitern einige Paare, das habe ich schon mitbekommen, die geben dann auf. Zu lange zu wenig davon führt hingegen zu jahrelangen schwer reparierbaren Tanzhaltungsschwächen.

Lernt er dann behutsam den Rahmen zu halten und über den gesamten Körper das Tanzpaar zu führen, sollte man dran denken, daß das ein ganz langwieriger Lernvorgang ist. Je nach Tagesform beider Tänzer geht das in der ersten Lernphase mal sehr gut und mal gar nicht. Irgendwann hat es sich dann stabilisiert, aber es ist kein Ende in Sicht, denn nun werden beide mit immer deutlicheren, doch "unmerklichen" Signalen das Führen und Folgen miteinander aushandeln wollen. Da sich das schon in Worten wunderbar widerspricht, kann das auch schnell daneben gehen.

Und er ist natürlich immer Schuld. Wenn Er das schon weiß, sollte Sie darauf verzichten, es ihm unter die Nase zu reiben. Ist er frustriert, tanzt er den nächsten Versuch schlechter, nicht besser. Ist Sie frustriert, wird das auch ihn nicht anspornen, aber ihre geminderte Erwartung kann nicht zum Trainingserfolg führen... Teufelskreis. Lächeln, die Zeit und die Übung werden es bringen, nicht an sich und am Anderen (gar ver-) zweifeln, immer motivieren, dem Partner / der Partnerin mit Lob und Dankbarkeit für die Mühen begegnen, und wenn es zu schlimm wird, die Sache vertagen. Beim Termin dann den Trainer um Hilfe bitten, oder sich andere Hilfsmittel suchen.

Richtig Führen zu lernen ist doch eigentlich unmöglich:
In Tanzkursen lernt man dazu viel zu wenig. Die einzigen Tanzkurse, die regelmäßig Führungsarbeit bei den Herren geprüft und korrigiert haben, waren im Tango Argentino und im Lindy Hop, also außerhalb des Tanzschulkanons.

Im Tango Argentino anhand von erfahrener Damen (oder Trainer in Damen-Rolle), die sich erst bewegten, wenn der Herr richtig führte, und bis dahin gar nichts taten.
Im Lindy-Hop in Form von Damen, die "falsch" gegebene Führungssignale als das interpretierten, als was sie ankamen, und daher ganz andere Dinge tanzten, als der Herr erwartete... was sehr anstrengend wird für den armen Herrn, bis man es mit ihm übt, richtige Führung zu differenzieren.

Eigentlich gibt es sowas auch im Standard: viele Walzer und Quickstep-Figuren oder Verzierungen sind sich vom anfänglichen Bewegungsablauf so sehr ähnlich, daß sie zu Führen und zu Folgen viel Verständnis im Paar brauchen. Andernfalls tritt man sich zum ersten Mal seit Jahren dann plötzlich wieder auf die Füße, ganz wörtlich. Dann muß plötzlich die Dame mitüben, das Verstehen der Führung sofort über den Rahmen und die Haltung an ihn zurückzumelden... aber wo wird denn das schon unterrichtet und geübt?

Was passiert also bei Mißverständnissen? Meiner Vorstellung nach funktioniert das in etwa so: Ein gutes Tanzpaar grinst ein wenig mehr als üblich und tanzt weiter. Ein guter Tanzherr tanzt die mißverständliche Führung nun entweder nicht mehr, oder fragt, ob man das jetzt üben solle (bzw. das darf die Dame auch gern fragen, warum denn immer nur er?). Läßt es sich auf Dauer nicht aushandeln, wendet man sich lieber anderen schönen Bewegungen zu :-).”

Die Aufmerksamkeit für den Team-Partner

Ein Kommentar eines zweiten unbekannten Verfassers:

Was ich leider nur beobachte ist immer wieder das gleiche - die z.T. fehlende Aufmerksamkeit für sein Gegenüber. Denn die ist in meinen Augen genau das, worauf es ankommt.

Impuls und Reaktion sind beides aktive Handlungen

Ein Kommentar eines dritten unbekannten Verfassers:

Übrigens: im Tango rede ich nicht gerne von Führen und Folgen. Es hört sich in der Sprache schon nach "aktiv" und "passiv" an. Das ist nicht wahr. Es ist die Verteilung der Rollen, die bewirkt, daß der Mann einen Impuls gibt und die Dame diesen umsetzt. Sie tut dies durch eine Bewegung die wiederum dazu führt, daß der Mann die Dame begleitet: Es funktioniert, als wenn man mit einer Person zusammen Hand in Hand spazieren geht. Man gibt sich eine Hand, der "Geführte" muss selbst laufen, (wir haben die Musik um zu wissen wann) der "Führende" begleitet!! Dies wird sehr häufig falsch verstanden.

Das Henne-Ei-Problem

Zum Abschluß noch diese wunderbare Zusammenfassung, welche den fast perfekten Bogen zur Einarbeit eines Blindenführhundgespannes schlägt.

Ein Kommentar eines vierten unbekannten Verfassers:

Das wichtigste und für die meisten schwierigste am Tanzen lernen ist, zu lernen zu führen beziehungsweise zu folgen, vor allem wenn es für beide Tanzpartner noch neu ist.

Es ist ja auch irgendwie ein typisches Henne-Ei-Problem:
Als Frau lernt man schneller und besser folgen, wenn der Tanzpartner gut und sauber führt und ihr sagen und zeigen kann bei welcher Führung welche Bewegung folgen sollte.
Als Herr lernt man schneller und besser führen, wenn die Tanzpartnerin sich gut führen lässt, ihm sagen kann zu welchem Zeitpunkt welche Führung kommen sollte und indem sie vor allem nicht alleine tanzt ohne dass vorher die passende Führung kam.

Für beide sind diese Rückmeldungen beim Führen und Folgen wichtig, um selber zu lernen. Es ist aber nicht grade einfach die richtigen Rückmeldungen zu geben wenn man selber noch dabei ist zu lernen.

Was aber wenn beide Partner Anfänger sind?
Beide versuchen ihren Part zu lernen. Da der Partner die Rückmeldung noch nicht geben kann, kommt schnell Frustration auf.

Mein Vorschlag: einigt euch darauf, euren jeweiligen Part nacheinander zu lernen. Konzentriert euch im Paar darauf dass erstmal der Herr das Führen lernt, zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Impuls zu geben, und erst wenn das klappt geht ihr dazu über, euch auf das Folgen der Dame zu konzentrieren.